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Aktuelles

10.03.2021

Unser Spitzen-Podcast zum Equal Pay Day "In Deutschland verdreht man schon die Augen, wenn jemand sagt: 'Ich muss das Kind jetzt von der Kita abholen!'"

Bis zum heutigen Tag haben Frauen in Deutschland de facto umsonst gearbeitet, während Männer seit Jahresanfang Geld verdienen. Die Gründe für diese ungleiche Verteilung sind vielfältig: Frauen arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Berufen, seltener in Führungspositionen und stemmen nebenbei noch Haushalt und Kinderbetreuung. Mit diesem verstaubten Rollenmodell muss endlich Schluss sein, finden unsere Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Zum Equal Pay Day haben sie im Podcast mit Verena Hubertz (Kitchen Stories, Bundestagswahlkandidatin SPD Trier), Rasha Nasr (Bundestagswahlkandidatin SPD Dresden) und Anne Dittmann (Journalistin) darüber diskutiert, warum Babys im Plenarsaal erlaubt sein sollten, wie ein Kulturwandel in der Arbeitswelt aussehen kann und welchen Ratschlag keine der Frauen jemals wieder hören möchte.

“Warum sind Frauen in Parteien unterrepräsentiert?"

"Wenn wir über Arbeit und Lohngerechtigkeit sprechen, müssen wir auch über Elternschaft sprechen", sagt Rasha Nasr. Die SPD-Bundestagswahlkandidatin aus Dresden fühlt sich an den Eklat im Thüringer Landtag erinnert, bei dem eine Abgeordnete aus dem Plenarsaal geworfen wurde, weil sie ihr Neugeborenes dabei hatte. "Das bewegt junge Politikerinnen schon zum Nachdenken", erzählt sie. Es sei symptomatisch dafür, warum Frauen in Parteien und Parlamenten unterrepräsentiert sind. "Sie stellen sich oft die Frage, ob sie das alles mit der Familie unter einen Hut bringen können." Für Saskia Esken spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine große Rolle. Ihr Bundestagsbüro werde von zwei jungen Müttern geleitet, die sich den Job teilen, erzählt sie. "Das funktioniert sehr gut und ich finde, das muss einfach möglich sein."

Ich will das Kind aus der KITA holen und trotzdem voll arbeiten

Mehr Flexibilität in der Arbeitswelt über alle Lebensphasen hinweg wünscht sich auch Verena Hubertz. Die Gründerin der Koch-App "Kitchen Stories" und Bundestagswahlkandidatin aus Trier gibt ein Beispiel aus ihrer Lebensrealität: "Was bedeutet es denn, wenn ich um 16 Uhr das Kind abhole? Das heißt ja nicht, dass ich nine to five arbeite, sondern ich bin dann vielleicht um acht Uhr nochmal kurz am Laptop und schreibe zwei Stunden den Kram zu ende." Natürlich sollten Arbeitnehmende vor Ausbeutung und einem Always-On-Anspruch geschützt werden, aber im Vordergrund sollten die Selbstbestimmung und das Vertrauen stehen, "dass die Arbeitszeit und Elternzeit um die Person herum organisiert werden kann".

Ehegattensplitting dringend reformieren

Wenn es um die Entscheidung geht, welcher Elternteil für die Kinderbetreuung zurückstecke, falle die Entscheidung viel zu häufig noch automatisch auf die Frau, sind sich die Diskutierenden einig. Der Grund sei meistens ihr geringeres Einkommen. Entgeltgleichheit sei daher ein wichtiger Faktor. Aber auch falsche steuerliche Anreize blockieren die Gleichstellung: Mit dem Ehegattensplitting werde immer noch die klassische Ein-Verdiener-Familie gefördert. "Vielen ist gar nicht bewusst, wie ungerecht diese Regelung ist", sagt Norbert Walter-Borjans und rechnet ein Beispiel vor: "Wenn wir mal einen Managerhaushalt nehmen, wo ein Partner 300.000 Euro im Jahr verdient und der andere Null, dann bringt die Heirat eine Vergünstigung von über 10.000 Euro im Jahr. Wenn es sich um einen Haushalt handelt, bei dem ein Partner 50.000 und einer 25.000 Euro hat, dann bringt die Heirat 650 Euro im Jahr. Diese Regelung stammt aus einer Zeit, in der man davon ausgegangen ist, er arbeitet und sie hat die Kinder. Das war damals schon ungerecht und ist es heute noch!" Steuerlich sollte es also einen Anreiz geben, dass beide arbeiten.

“Anschlusstermin” ist kein Synonym für Familie!

Um eine Idee davon zu bekommen, wie wir es in Deutschland besser machen können, lohne eine Blick nach Skandinavien, sagt Verena Hubertz. "Wenn man da nachmittags um 17 Uhr ein Meeting ansetzt, dann bekommt man dort schon das Feedback, hier ist die Familie wichtiger. In Deutschland verdreht man schon die Augen, wenn jemand sagt, ich muss das Kind jetzt von der Kita abholen." Bei derartigen Reaktionen zuckt Saskia Esken nur mit der Schulter und führt ein Beispiel an: Während ihrer Kandidatur für den Bundestag 2009 habe sie sich abends von einem Termin mit den Worten verabschiedet, sie wolle jetzt nach Hause und nach ihrer Familie sehen. Prompt bekam sie den Ratschlag, doch lieber zu sagen, sie habe einen Anschlusstermin, das klinge wichtiger. Ihre Antwort: "Was für ein Blödsinn!" Sich um die Familie zu kümmern und das auch als Kultur vorzuleben sei sehr wichtig.