arrow-leftarrow-rightclosecontrastdownloadeasy-languagefacebookinstagrammailmenueMinusPlusprintsearchsoundtarget-blanktwitteryoutube
Inhaltsbereich
11.10.2015

Perspektivkongress Mehr Zeit für Familie

Podium: Jutta Allmendinger, Manuela Schwesig, Tobias Scholz und Christiane Benner (Foto: Michael Gottschalk / photothek.net)
Michael Gottschalk/photothek.net

SPD-Perspektivkongress: Panel Familienzeit - Zeit für Familien (Foto: Michael Gottschalk/photothek.net)

Weniger Arbeit, dafür mehr Zeit für die Familie: Auf dem Perspektivkongress der SPD am Sonntag in Mainz warb Familienministerin Manuela Schwesig für eine neue Arbeitskultur in Deutschland. „Die Arbeitswelt muss familienfreundlicher werden, nicht die Familien arbeitsfreundlicher.“ Arbeitgeber müssten flexibel auf die Bedürfnisse junger Familien reagieren.

Schwesig plädierte dafür, Arbeit anders zu verteilen, um Beruf und Familie für Frauen und Männer besser zu vereinbaren. „Für mich ist die Idee der Familienarbeitszeit die Idee der Zukunft“, sagte die SPD-Vize.

Das Modell einer Familienarbeitszeit sieht vor, dass beide Eltern für einige Jahre jeweils eine Teilzeit-Stelle besetzen. Die Differenz zum Vollzeitverdienst soll der Staat teilweise ausgleichen. Die neue Leistung soll im Anschluss an das Elterngeld gezahlt werden.

Benner: Zukunftsidee Familienarbeitszeit

Die Idee der Familienarbeitszeit trifft einen gesellschaftspolitischen Nerv. „Die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben ist eine der sozialen Zukunftsfragen“, betonte Christiane Benner, Vorstandsmitglied der IG Metall, auf dem Kongress. Die Idee einer Familienarbeitszeit sei zentral. Die SPD müsse das Thema auf der Agenda belassen.

Benner verwies wie die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Jutta Allmendinger, auf Studien, die zeigen, dass sich immer mehr Menschen eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben wünschen. Es geht um den Wunsch, die eigene tägliche Arbeitszeit kurzfristig an die privaten Bedürfnisse anpassen zu können. Viele Menschen würden gerne vorübergehend die Arbeitszeit absenken, um zum Beispiel mehr Zeit für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu haben.

Allmendinger: Arbeit anders verteilen

Allmendinger forderte, bei der Arbeitszeit politisch umzusteuern. Frauen würden gern mehr, Männer weniger arbeiten. Dementsprechend müsse die bezahlte Erwerbstätigkeit umverteilt werden: Männer wären dann etwas kürzer, Frauen etwas länger als heute erwerbstätig. Die gewonnene Zeit sei wichtig, um sich weiter zu bilden, Kinder zu erziehen, Eltern zu pflegen und auch mal eine Auszeit für sich selbst zu haben. Notwendig seien zukünftig zudem „flexiblere Übergänge in den Ruhestand“.

Raus aus der Teilzeit-Falle

Der Perspektivkongress stärkte Arbeitsministerin Andrea Nahles demonstrativ für ihr Vorhaben den Rücken, das im Koalitionsvertrag beschlossene Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit in ein Gesetz zu gießen. Damit, so Schwesig, würden Frauen endlich aus der „Teilzeit-Falle“ herauskommen.

Scholz: Gleichberechtigt glücklich


Wie beides geht, Kind und Beruf für jeden Partner, das zeigte der Sozialwissenschaftler Tobias Scholz. Gemeinsam mit seiner Frau entschied er sich, Arbeit, Kind und Haushalt gleichberechtigt aufzuteilen. Scholz sieht nicht nur den Staat oder die Wirtschaft in der Pflicht, Familien und Beruf besser zu vereinbaren: „Junge Paare und Familien müssen begreifen, dass das Private politisch ist.“