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Aktuelles

21.05.2021

Susan Neiman mit August-Bebel-Preis ausgezeichnet

Foto: Wolfgang Thierse, Olaf Scholz, Jutta Allmendinger, Susan Neiman und Carsten Brosda (von l. n. r.)
Florian Gaertner/Photothek

Die US-amerikanische Philosophin und Direktorin des Potsdamer Einstein Forums Susan Neiman hat am Donnerstagabend den August-Bebel-Preis erhalten.

Die Soziologin Jutta Allmendinger würdigte Neiman in ihrer Laudatio als „eine Frau, die sich zu Wort meldet, sich dabei aber nie in den Vordergrund drängt“. Die Wissenschaftlerin liefere wichtige Denkanstöße und mache anderen Mut. Wolfgang Thierse, Vorsitzender der August-Bebel-Stiftung, sagte, Neiman sei „eine Persönlichkeit, deren denkerische und kommunikative Praxis auf eine Politik des Respekts zielt“.

Neiman gilt als wichtige Stimme für Gerechtigkeit und Vernunft in Deutschland. Sie hat unter anderem zu Fragen des humanitären Fortschritts, des Kantianischen Mündigwerdens und sinnvollen Lebens, der historischen Schuld und der Erinnerungskultur Wegweisendes beigetragen. In ihren an ein breites Publikum gerichteten Büchern und politischen Stellungnahmen wirbt sie – wie August Bebel zu seiner Zeit – für Emanzipation, gleiche Freiheit und soziale Demokratie. Bei der Preisverleihung im Willy-Brandt-Haus berichtete sie, wie Willy Brandts Kniefall in Warschau sie als Jugendliche tief beeindruckt hatte – so sehr, dass sie ihm nach seinem Rücktritt einen Brief schrieb.

Im Gespräch mit Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz betonte Susan Neiman, sie begrüße, dass er den Begriff „Respekt“ ins Zentrum seines Wahlkampfs gestellt habe. Oft werde irrtümlich von „Toleranz“ gesprochen, wenn es darum gehe, andere Menschen zu achten. „Man toleriert aber das, was man nicht mag. Man toleriert das, wogegen man machtlos ist. Niemand möchte toleriert werden“, sagte sie. Wenn man zu Toleranz aufrufe, betone man diese Machtlosigkeit. Deshalb sei Respekt genau der richtige Begriff für Scholz‘ Politik. „Denn wer andere wirklich respektiert, der begegnet ihnen mit Neugier.“

Der verstorbene Schriftsteller Günter Grass hatte die August-Bebel-Stiftung 2010 gegründet, um an die lange historische Tradition der Arbeiterbewegung und das Schaffen von August Bebel zu erinnern, einem der Begründer der Sozialdemokratie. Alle zwei Jahre ehrt die August-Bebel-Stiftung herausragende Persönlichkeiten, die sich wie August Bebel um die soziale Bewegung in Deutschland verdient gemacht haben. Die bisherigen Preisträger waren Oskar Negt (2011), Günter Wallraff (2013), Klaus Staeck (2015), Gesine Schwan (2017) und Malu Dreyer (2019).