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Sigmar Gabriel,
06.11.2015

Nachruf auf Hans Mommsen „Unbequem und kritisch“

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dpa

Der Historiker Hans Mommsen, aufgenommen am 27.10.2005 in seiner Wohnung am Starnberger See. (Foto: dpa)

Die deutsche Sozialdemokratie trauert um Hans Mommsen, einen der bedeutendsten deutschen Zeithistoriker und politischen Intellektuellen der Gegenwart. Er war nicht nur seit 55 Jahren SPD-Mitglied, sondern er wirkte auch engagiert über Jahrzehnte bis in die letzten Jahre in der Historischen Kommission beim Parteivorstand mit, die 1982 durch Willy Brandt und Peter Glotz gegründet wurde.

Zahlreiche wissenschaftliche, geschichtspolitische und politische Impulse gehen auf Hans Mommsen zurück, der die Rolle des Historikers ungeachtet unabhängiger wissenschaftlicher Urteilsbildung immer auch als politische Aufgabe begriff. Aus seiner Sicht war die kritische Auseinandersetzung mit der jüngsten Geschichte von größter Bedeutung für die politische Orientierung der heutigen deutschen Gesellschaft. Wissenschaftlich wie politisch wegweisend war unter anderem sein klares Votum im sog. Historikerstreit, mit dem er sich klar gegen eine Schlussstrich-Mentalität aussprach.

Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit waren die Geschichte der Arbeiterbewegung, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Mommsen entwickelte neue komplexe Erklärungsansätze für die NS-Zeit, insbesondere für den Judenmord, die die Fixierung auf Hitler und sein Umfeld beendeten und die Mitverantwortung größerer Gruppen und die Verwicklung der Gesellschaft in den Prozess kumulativer Radikalisierung des Regimes während des Krieges zeigten.

Hans Mommsen, der von 1968-1996 an der Ruhr-Universität Bochum lehrte und zahlreiche Gastprofessuren weltweit wahrnahm, war stets - auch für seine Partei - ein unbequemer und kritischer Geist. Wir werden sein Urteil und sein Engagement zu Fragen der Geschichte wie der Gegenwart sehr vermissen.