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07.03.2020

Podkästchen-Mini-Serie zum Frauentag - Teil 4/4 Wie war die Rush Hour deines Lebens für dich, Maria Noichl?

Anna: Wie läuft das bei dir mit der Vereinbarkeit von Politik und Familie und wird dein Mann das auch mal gefragt?

Maria: Momentan läuft es sehr leicht, denn mein kleiner Sohn ist 32, mein großer 35 und mein Lebensgefährte und ich leben in zwei verschiedenen Wohnungen. Wenn ich bei ihm bin, bin ich Gast und muss nichts tun und wenn er bei mir ist, gilt das gleiche für ihn. Wir haben ein gemeinsames Leben, aber getrennte Haushalte. Aber ich erinnere mich an die Rush Hour des Lebens und Jahre, die richtig hart waren. Ich habe bereits mit 17 das erste Kind bekommen und mit 20 hatte ich zwei. Das hieß für mich, dass ich zwei kleine Kinder hatte, mein Mann noch studiert hat und ich tagsüber einen Halbtagsjob und abends meine Berufsausbildung fertiggemacht habe. Ich hatte in dieser Zeit drei große Autounfälle, einer mit Totalschaden und erst im Nachhinein wird mir bewusst, unter welchem Druck ich stand. Das war eigentlich Menschenunwürdig. Wenn man kleine Kinder hat, die einen morgens aufwecken und an der Nase ziehen, sagen zu müssen, dass man dafür eigentlich keine Zeit hat, ist schlimm. In der Zeit brauchen Väter und Mütter Zeit für ihre Kinder.

Anna: Jetzt im Nachhinein, wenn du nochmal auf dein jüngeres Ich zurückblickst, was würdest du denn gerne ändern, damit du nicht noch einmal in so eine Situation kommen würdest?

Maria: Naja im Nachhinein war das wunderbar, dass ich so früh Mutter wurde, aber damals war das sehr hart. Ich war ja noch Schülerin, bekam also nicht einmal Muttergeld, denn ich hatte ja keinen Verdienstausfall. Man kann so etwas nicht an einem vorhergegangenen Lohn festmachen, weil Schülerinnen dann außen vor sind. Jetzt aktuell finde ich, dass ich leider zu wenig Zeit für meine drei Enkel habe. Denn meine Enkelkinder sind leider für mich nur ein Termin im Terminkalender. Das bedauere ich.

Anna: War das Thema der gleichen Verteilung der Fürsorge damals auch ein Thema für euch.

Maria: Ich bin jetzt geschieden, aber damals hatte ich einen sehr feministischen Mann. Würde man ihn jetzt fragen, würde er mit Stolz sagen, er hat die Hälfte gemacht. Ich würde sagen, es war der Blick durch eine Männerbrille auf die Hälfte. Ich muss da selbstbewusst sagen: ich habe mehr gemacht. Aber es geht nicht unbedingt um die Prozente und ich muss sagen ich hatte einen Ehemann der sich um die Kinder und den Haushalt und auch mich gekümmert hat. Dadurch hatte ich Zeit mich auch im Ehrenamt zu engagieren. Eine andere Beziehung könnte ich mir aber auch nicht vorstellen. Wir Frauen leiden aber ein wenig darunter, dass es immer etwas Besonderes ist, wenn Männer was tun und das gelobt wird, während die Arbeit, die Frauen tagtäglich erledigen, immer als Normalität runtergeschluckt wird.

Anna: Heute hat sich doch sicherlich auf die Sicht der Dinge etwas geändert. Wie siehst du aber die Situation, wenn sich zwei Erwerbstätige um die Kindererziehung kümmern aber beide in Vollzeit arbeiten. Ist das überhaupt machbar?

Maria: Da finde ich muss man ganz genau hinschauen. Wenn zwei das von sich behaupten und es schaffen das gleichberechtigt zu tun, würde ich applaudieren. Jedoch sollte man fragen, ob sie das alleine tun, oder mit Haushaltshilfe, oder Verwandte die helfen. Man merkt, dass Frauen, die es vermeintlich geschafft haben 40h/Woche zu arbeiten und sich um die Kinder zu kümmern, ihre Care-Arbeit meist an andere Frauen, meist im Niedriglohnbereich abgeben. Frauen die scheinbar leben wie ein Mann und das soll keine Kritik sein, haben meist einen Back-Office mit anderen Frauen im Niedriglohnbereich. Es soll nicht so sein, dass der Mann sagt: „OK das macht nicht mehr meine Ehefrau, sondern das macht eine andere Frau.“ Hier müsste man ehrlicher sein und sagen: „Jawohl, wir schaffen es auch nicht, ohne die Hilfe von anderen Frauen.

Anna: Wie kann man eine gerechtere Verteilung denn herstellen? Welche Maßnahmen stehen bei euch auf dem Programm?

Maria: Ja, da gibt es Programmpunkte, das Papier ist fast schon ein bisschen vergilbt, weil sie schon so alt sind. Zum Beispiel die ewiggleiche Forderung, dass das Ehegattensplitting weg muss. Es kann nicht sein, dass der Staat eine bestimmte Lebensform bezuschusst, die dafür sorgt, dass die Frau zu Hause bleibt oder Teilzeit arbeitet und der Mann Vollzeit arbeiten geht. Beiden Geschlechtern wird keine Gerechtigkeit zugeführt ohne Einzelbesteuerung, sodass der Staat seine Bürger nicht in seine Ideologie lockt. Die heißt immer noch Alleinverdienersituation. Ich persönlich komme aus Bayern und es kann nicht sein, dass dieses reiche Bundesland immer noch die schlechtesten Frauenrenten hat, weil in vielen Paaren nur der Mann richtig arbeiten gegangen ist. Da müssen wir politisch etwas tun. Es gibt nur zwei Länder in Europa, die partnerschaftliche Arbeitsteilung steuerlich unterstützen, zwei skandinavische Länder. Wir müssen da wirklich etwas tun.

Anna: Das wäre eine gute Idee. Danke für das Interview.

Maria: Bitte.

Das Gespräch zum Nachhören: