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Starke Stimmen

Yevheniia Ulrikh

Ich bin 27 Jahre alt und studiere im Master an der Hochschule Reutlingen.

Foto: Yevheniia Ulrikh

Ich komme aus Kyiv, wo auch jetzt meine Familie und Freunde sind.

Ich bin in einem friedlichen und schönem Land aufgewachsen und habe dort lange gelebt. Ich hätte nie gedacht, dass in meinem Land so etwas passiert. Meinem Land, wo meine Freunde leben, wo ich zur Schule und auf die Uni gegangen bin, wo ich meine Ziele und Träume erfüllen konnte und woran ich letztendlich sehr schöne Erinnerungen habe.

Am 24. Februar hat Putin meinem Heimatland den Krieg erklärt. Ich habe meine Heimatstadt voll mit Panzern, Kampffliegern und zerstörten Häusern gesehen.

Das schlimmste ist, wenn ich die erschrockenen Stimmen meiner Familie höre. Wenn ich die verängstigten Gesichter sehe, wenn meine Familie und Freunde zu den Schutzräumen laufen müssen. Und ich habe zivile Opfer gesehen. Genau die, von denen die russische Regierung behauptet, dass es sie nicht gibt.

Ich wünsche allen, dass der Kontakt zu den Verwandten, Familien und Freunden trotz allem immer möglich ist! Und man ihre ruhige Stimme jederzeit hören kann. Und auf die Nachfrage, wie die Situation aussieht, die Antwort lautet: „Es ist gerade ruhig und friedlich.“

Was mache ich als im Ausland lebende ukrainische Staatsbürgerin? Ich spende, versuche mir in dem informativem Chaos Orientierung zu verschaffen, ich protestiere und ich bete.

Die Ukrainer*innen und die Ukraine brauchen jetzt Hilfe! Egal ob finanziell, politisch, humanitär oder informativ. Es kommt auf jede*n Einzelnen an. Nur zusammen sind wir stark.

Meine Hoffnung ist, dass bald alle ihre Familie und Freunde umarmen können.

Hanna Hrabarska

Am nächsten Morgen stand meine Welt Kopf, genauso wie das Leben aller Ukrainer, so wie die Welt im Allgemeinen.

Foto: Hanna Hrabarska

In einer Woche musste ich zwei Häuser verlassen. Meine Wohnung und die meiner Eltern. Ich weiß nicht, ob sie physisch existieren werden, wenn ich die Chance bekomme, zurückzukehren. Alles, was ich kenne, ist Fotos machen und Geschichten erzählen. Ich würde viel dafür geben, dass mein Instagram-Account so bleiben könnte, wie er immer war: Voller schöner Menschen, lustiger Abenteuer und magischer Reisen. Aber jetzt wird er zu einem visuellen Tagebuch der Kriegsflucht von mir und meiner Mutter.

Die Zeit rennt schnell und abends verlangsamt sie sich – seit über einer Woche schlafe ich nicht länger als drei Stunden am Tag, irgendwann zwischen vier und sieben Uhr morgens. Aber ich schlafe ruhig und wache nicht einmal von den Geräuschen endloser Nachrichtenwarnungen auf. Mein ganzes Leben passt jetzt in einen Koffer. Mama hat heute zweimal geweint: Einmal, als wir uns von einer wunderbaren Frau namens Slavka verabschiedet haben, die uns in ihrer Wohnung in Uzhgorod beherbergte und dann nach einem Gespräch mit meinem Bruder und seiner Freundin, die in Kryvyi Rih geblieben sind.

Valeria Sivtsova

Ich bin 30 Jahre alt und wohne in Halle. Ich komme aus dem bombardierten Charkiw.

Foto: Valeria Sivtsova

Bis jetzt hat es von meiner Familie nur meine Tante über die Grenze geschafft. Alle anderen haben auf ein schnelles Ende gehofft und sind dort geblieben. In Charkiw werden alle Stadtteile bombardiert - überall sind Verwandte und Freunde von mir. Charkiw liegt sehr weit im Osten der Ukraine, daher weiß ich nicht ob bisherige Hilfen dort überhaupt ankommen. Um selbst zu helfen, verkaufe ich als bildende Künstlerin meine Gemälde. Die Erlöse spende ich nach Charkiw.

Roman Andriushyn

Ich bin 28 Jahre alt und in Mariupol geboren.

Foto: Roman Andriushyn und seine Schwester bei einer Friedensdemo in München

Seit fast 6 Jahren wohne ich in Deutschland, seit 5 Jahren bin ich Mitglied der SPD.

Am 24. Februar 2022 bin ich in einer neuen Welt aufgewacht.

Mitte Februar kam meine Schwester aus der Ukraine zu Besuch zu mir. Sie wollte mich nur eine Woche besuchen und Urlaub machen. Dann sollte sie zurück nach Hause fliegen, zurück in ihren Alltag. Durch den Krieg bleibt sie nun bei mir in Garmisch-Partenkirchen. Meine Schwester hatte nur ein Handgepäck dabei. Wir haben für sie die dringendsten Sachen gekauft, aber wir müssen schon weiter denken. Meine Schwester weiß nicht, ob es ihre Wohnung noch gibt und ihre zwei Katzen. Denn unser Stadtteil in Mariupol wurde bombardiert. Es ist nicht einfach für meine Schwester. Sie weint oft.

Mein Heimatort Mariupol ist eingekesselt. Meiner Mutter und ihr Mann haben keine Wasserversorgung, keinen Strom, keine Heizung. Das Telefon-Netz funktioniert nicht immer. Wie kann man so leben? Seit ein paar Tagen haben wir keinen Kontakt. Wir beten jeden Tag. Es tut im Herzen weh.

Meine Freunde, Kommilitonen und Bekannten leben quer durch die Ukraine. In Kiev, Kharkiv, Odessa und Kherson. Jede Tag, wenn ich aufwache, schreibe ich ihnen. Ob sie, ihre Familien und Kinder noch leben und gesund sind. Und dann warte ich, bis die Antwort kommt. Am Abend wünsche ich ihnen eine ruhige Nacht, frage wieder, ob sie noch gesund und unverletzt sind.

Jede Form von Hilfe ist jetzt wichtig für mich. Wir wissen noch nicht, ob und wo meine Schwester sich für Asyl registrieren kann. Sie muss jetzt Deutsch lernen, sich integrieren. Sie braucht psychologische Unterstützung. Sie braucht neue Schuhe, Hosen und andere Klamotten.

Ich selber bin arbeitslos geworden. Ich habe bisher für eine Firma mit einem Werk in Russland gearbeitet. In dieser Situation kann ich das einfach nicht.

Wir hoffen und beten in dieser schwierigen Zeit. Slava Ukraini!

Sergii Kravets

Ich bin in der Ukraine geboren und gemeinsam mit meiner Familie nach Deutschland gezogen.

Foto: Sergii Kravets

Der deutschen Regierung bin ich sehr dankbar für ihre Unterstützung. Die Ukraine befindet sich jetzt in einer schwierigen Situation. Ich hoffe, dass wir diplomatische Lösungen finden können. Diplomatie muss die Aggression besiegen für eine friedliche Lösung. Ich wünsche mir und Euch allen Frieden, Freude und Glück in jedem Zuhause.

Dmitri Bershadskyy

Ich bin promovierter Volkswirt. Geboren wurde ich in der Hochschulstadt Kharkiv, die jetzt umkämpftes Kriegsgebiet ist.

Нет войне!

Seit 1999 lebt meine Familie in Deutschland. Im Gegensatz zu mir, der als 11-Jähriger die Ukraine verlassen hat, haben meine Mutter, mein Onkel und meine Tante noch Freunde und Verwandte dort.

Meine 89-jährige Großmutter musste als Kind vor den Bomben von Hitlers Naziregime fliehen. Jetzt musste sie erfahren, dass es dieses Mal Putins Regime ist, das Bomben auf ihre Stadt wirft.

Die gefühlte Hilfslosigkeit ist für viele Menschen hier in Deutschland sehr schmerzhaft. Und sie ist dennoch nicht mit dem Leid der Menschen in der Ukraine vergleichbar. Als Zivilgesellschaft können wir aktuell nicht viel tun, außer den Flüchtenden zu helfen – etwas, das wir natürlich auch bei anderen Krisen tun sollten.

Und doch ist diese Krise anders, denn sie ist ein direkt geführter Angriffskrieg. Ein Krieg einer militärischen Supermacht unter der Führung der Russischen Regierung, die die russische Zivilgesellschaft in informationelle Geiselhaft genommen hat. Daher möchte ich alle diejenigen bitten, die Bekannte oder Verwandte in Russland haben zu helfen: Zeigt den Menschen in Russland behutsam die andere Seite.

Es ist nicht das russische Volk, das diesen Krieg begonnen hat. Aber ich glaube, dass dieser Krieg nur in einer Sprache beendet werden kann – in Russisch. Daher sage ich: „Нет войне!

Margarita

Ich bin 44 Jahre alt. Niemals werde ich den 24. Februar 2022 vergessen. In der Früh bin ich hochgeschreckt, geweckt von Schüssen.

„Der Krieg hat begonnen“, sagte mein Mann im selben Augenblick zu mir. In diesem Moment habe ich realisiert, was ich niemals für möglich gehalten hätte. Was ich einen Tag vorher noch vehement verneint habe: Russland führt Krieg. Gegen die Ukraine. Gegen mein Heimatland, in dem ich aufgewachsen bin und mein ganzes Leben verbracht habe.

Einige Minuten später erhielt mein Mann eine Nachricht von einer freiwilligen Militärstelle, bei der er seit 2014 registriert war. Ich verstand sofort: Er wird in den Krieg ziehen. Meine Aufgabe wird es sein, mich um unsere 16-jährige Tochter und unsere Katze zu kümmern.

Mein Mann und ich haben noch etwa sechs bis sieben Minuten zusammen verbracht. Dann habe ich das Nötigste für meine Tochter und mich zusammengepackt: 2 Hosen und Pullover, Geld, Pässe und Geburtsurkunden. Als die Tasche fertig war, habe ich meinen Mann umarmt. Mein Herz war so schwer, dass ich kaum sprechen konnte. Aber ich wollte, dass er mir eins verspricht. Nur eine Sache. Dass wir uns lebend wiedersehen. Denn ohne meine Familie kann ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen.

Meine Tochter und ich sind dann ins Auto gesprungen, haben meinen Mann zurückgelassen. Meine Tochter hat sich – verständlicherweise - nicht wohlgefühlt in der Situation. Sie war traurig und wütend zugleich. Sie sei keine Verräterin, die ihren Vater alleine lassen würden. Ihre Reaktion brach mir erneut das Herz. Doch ich konnte sie davon überzeugen, dass es der richtige Schritt ist, sich jetzt in Sicherheit zu bringen. Denn wir wohnen in einer kleinen Stadt bei Kiew, in einem Hochhaus. Dort von einer Bombe getroffen zu werden, war nicht unwahrscheinlich. Ich habe meiner Tochter erklärt, dass sie keine Verräterin ist, sondern der Familie hilft. Dass wir wiederkommen werden und ihre Generation dann brauchen. Auch, um das Land wiederaufzubauen.

Erstmal war es für uns wichtig, Unterschlupf zu finden. Wir sind zu Freunden gefahren, die eine Autowerkstatt haben, und versteckten uns mit vielen anderen in den Fahrzeuggruben. Als am Nachmittag die Bombardements nachließen, machten wir uns zusammen mit einem Ehepaar im Auto auf den Weg in die West-Ukraine, Lemberg war unser Ziel. Doch überall waren Staus und wir kamen kaum voran, wegen der Sperrstunde ab 22 Uhr brauchten wir für die Nacht eine Schlafgelegenheit. Ich rief meine Freunde an und tatsächlich konnten sie uns helfen. Bekannte von ihnen, denen wir komplett fremd waren, empfingen uns in ihrem Haus. Ich war überwältigt von ihrer Hilfe, der Zusammenhalt war berührend. Wie eine große Familie. Als wir die hässliche Nacht – sitzend im Keller - dort überlebt hatten, haben wir verstanden, dass die Kinder raus müssen aus dem Land. Die Gastgeber baten mich, ihren 17-jährigen Sohn mitzunehmen, da sie ihr Haus nicht verlassen wollten. Ihr Sohn willigte ein. „Margarita, ich vertraue dir und ich komme mit dir“, sagt er nur leise. Und plötzlich war ich Mutter von zwei Jugendlichen, die ich in Sicherheit bringen musste.

Also fuhren wir weiter Richtung Westen. Doch wieder kamen wir wegen der vielen Staus nicht weit. Ich überlegte verzweifelt, wo wir unterkommen könnten. Dann fiel mir ein, dass Bekannte ein Haus dort in der Nähe haben. Wir hatten Glück, wieder wurden wir aufgenommen in ein Haus, in dem bereits viele andere Personen untergekommen waren. Wir teilten uns zu fünft zwei Betten.

Am nächsten Tag ging es weiter, wieder konnten wir Lemberg nicht erreichen. Wieder fanden wir Unterschlupf bei Bekannten von Bekannten. Mit 14 anderen Personen lebten wir in einer Unterkunft. Wir schliefen auf dem Fußboden, den Müttern mit Kleinkindern überließen wir die Betten. Die Gastgeberin tat alles dafür, uns den Aufenthalt so schön wie möglich zu machen. Sie gab uns Verpflegung, schlief selber im kältesten Zimmer des Hauses.

Als wir dann endlich in der Westukraine angekommen waren, fanden wir eine Unterkunft für eine Nacht und sind dann zu Fuß über die Grenze nach Ungarn gelaufen, wo meine Kollegin uns abholen wollte. Von da an überfiel mich das Heimweh, mein Herz war schwer. Ich wollte das Land doch eigentlich gar nicht verlassen. Dennoch war ich unendlich erleichtert, als ich meine Kollegin sah. Weil ich das Gefühl hatte, für einen Moment meine Verantwortung teilen zu können – mit einem Erwachsenen. Weil ich mal weinen konnte, ohne dass die Kinder es mitansehen mussten.

Ich werde oft gefragt, wie wir das alles durchstehen. Und ehrlich gesagt: ich weiß es nicht. Ich beschreibe unsere Gefühle immer als emotionale Wellen. Wenn man hört, wie unsere Menschen für unser Land kämpfen, dann ist da Stolz. Sehr viel Stolz. Wenn ich höre, dass sie Städte verteidigen können, dann sind die Emotionen oben. Wenn ich in den Nachrichten aber mitbekomme, dass Krankenhäuser oder Schulen abgeschossen wurden, dann brechen alle Emotionen zusammen.

Ich bin wütend auf die russische Regierung. Da ist so viel Unverständnis. Denn wir sind uns doch eigentlich so nah. Russland ist ein Volk, dessen Sprache auch bei uns – neben Ukrainisch – von vielen wie eine Muttersprache gesprochen wird. Und jetzt lässt Putin unsere Kinder erschießen. Russland tut uns gerade sehr, sehr weh und will uns alles nehmen: unser Land, unsere Nationalität, unsere Menschlichkeit, unsere Würde, unsere Freiheit. Das kann man nicht vergessen und ich weiß nicht, wie wir das jemals verarbeiten sollen.

Ich bin mittlerweile in Berlin angekommen, wo ich erstmal bei Freunden unterkommen kann. Es sind Menschen, die mir aus der Vergangenheit vertraut sind und bei denen ich meine Kinder vorübergehend lassen kann, wenn ich spontan wieder zurück in die Heimat muss beziehungsweise kann. Ich habe die Hoffnung darauf nicht aufgegeben und ich wünsche mir, dass der Krieg heute oder morgen zu Ende ist. Ich wünsche mir, dass ich mich wieder mit meinem Mann darüber streiten kann, wer morgens das Frühstück macht. Ich möchte wieder mit meiner Tochter in unserer Stadt spazieren gehen, ohne bei jedem Flugzeug zusammenschrecken zu müssen.

Das Einzige, was mir gerade noch Mut macht: Wir haben die Wahrheit auf unserer Seite. Wir kämpfen für unsere Rechte, unsere Freiheit, unsere Demokratie und natürlich für unsere Kinder. Wir sind nicht die Angreifer. Wir verteidigen unser Land und unser Leben. Das bedeutet alles für uns. Nur deshalb sind wir noch stark. Wenn uns das weggenommen wird, gibt es keinen Grund mehr, weiterzuleben.

Alina Goncharenko

Ich bin Kinderbuchautorin und Tanzlehrerin aus Leipzig. Ich bin in der Ukraine geboren und aufgewachsen.

In meiner Heimat Ukraine ist Krieg. Das erschüttert mich als Frau und Mutter.

Ich habe Tränen in den Augen, wenn ich sehe, wie die Kinder mit an die Brust gedrücktem Spielzeugen im Keller weinen. Wenn ich sehe, wie Mütter um ihre Söhne und Töchter trauern, die sie in diesem Krieg verlieren. Wenn ich sehe, wie Rentner*innen, die nicht fliehen können, ohne Versorgung in einem Hochhaus eingesperrt sind!

Meine friedliche und blühende Ukraine hat diesen erbärmlichen Krieg nicht verdient. In diesen schweren Zeiten müssen wir zusammenhalten und den Ukrainer*innen helfen, die noch auf der Flucht sind, die bei Dir vor Ort Schutz suchen oder die sich entschlossen haben in der Ukraine zu bleiben!

Gemeinsam mit vielen anderen Leipziger*innen bin ich selbst bis spät in die Nacht ehrenamtlich tätig. Wir sammeln Spenden, organisieren Fahrten, suchen Unterkünfte und demonstrieren für den Frieden. Jede Form von Solidarität macht einen Unterschied.

Ich wünsche mir für mein Land Frieden. Die große Anteilnahme, die Hilfe und der politische Druck aus Deutschland gibt mir Hoffnung und macht Mut. Und ich weiß, dass sie auch den Ukrainer*innen in meiner Heimat Kraft gibt. Wenn wir unsere Kräfte zusammen tun hat mein Heimatland eine Chance auf eine friedliche Zukunft. Die Gerechtigkeit war und bleibt auf der Seite des Friedens.

Dmitri Stratievski

Geboren und aufgewachsen in der Ukraine, bin ich schockiert und tief bestürzt über den barbarischen Überfall auf meine Heimat.

Foto: Dmitri Stratievski

Auch zivile Ziele werden unter Beschuss genommen. Meine Verwandten sind auf der Flucht. Einige davon kann ich telefonisch nicht erreichen. Im Freundeskreis habe ich erste Todesopfer zu beklagen.

Dieser Krieg ist nicht nur völkerrechtswidrig. Er entbehrt jeglicher politischer Logik – selbst aus russischer Sicht. Als Mensch, der sich seit 25 Jahren für die deutsch-russische Verständigung einsetzte, als Politikwissenschaftler, als Sozialdemokrat und als Gründer der Projektgruppe Russischsprachige Sozis, muss ich gestehen: Wir haben uns in unserem Russland-Kurs geirrt und fehlkalkuliert.

Wir müssen die Russland- und Osteuropa-Politik Deutschlands gründlich ändern und die Ukraine umfassend und tatkräftig unterstützen. Aber wir dürfen nicht alle Russinnen und Russen über einen Kamm scheren. In Moskau und Berlin, Prag und Barcelona gehen auch Russischstämmige auf die Straße und demonstrieren gegen den Krieg. Russische Kultur, Literatur und Geschichte gehören nicht den Machthabern im Kreml. Sie gehören der ganzen Menschheit.

Frieden für die Ukraine! Frieden für Europa!

Petro Panasenko

Ich bin gebürtiger Ukrainer. Für mein Studium bin ich nach Bamberg gezogen.

Foto: Petro Panasenko

Ich bin allein in Deutschland, meine Familie ist momentan noch in Kyiv. Seit dem Krieg kennen alle mein Heimatland aus den Nachrichten, aber nicht alle können den Schmerz nachempfinden, den ich fühle.

Man kann viele Wörter sagen, aber ich bin davon überzeugt, dass wir, die europäische Gemeinschaft, mehr Taten brauchen. Ich habe Angst, dass die Menschen in der Ukraine ohne weitere Maßnahmen langsam, aber sicher getötet werden. Ich zähle auf die europäische Staatengemeinschaft und die NATO: Die Bombardements und das Töten müssen so schnell wie möglich beendet werden.

Oleg Pavlov

Ich bin 27 Jahre alt. Geboren wurde ich in der jetzt umkämpften ukrainischen Hauptstadt Kyiv als Sohn einer jüdisch-stämmigen Mutter.

Foto: Oleg Pavlov

Mein Vater hat für die Demokratisierung der Ukraine mit dem "Helden der Ukraine" Wjatscheslaw Tschornowil zusammengearbeitet. Nachdem Tschornowil und mein Vater gemeinsam 1999 starben, musste meine Familie die Ukraine im Jahre 2001 verlassen.

Als am 24. Februar 2022 die russischen Truppen die Grenze mit der Ukraine überschritten, Luft- und Raketenangriffe auf eine Vielzahl von Städten vollzogen und einen durch nichts zu rechtfertigenden Angriffskrieg begannen, brach für meine Familie, meine Freunde, meine Bekannten und mich eine Welt zusammen.

Der Krieg hat viele Menschen aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben. Vielen weiteren Menschen das Leben gekostet und Europa in zeitweise extreme Schockstarre versetzt.

Seitdem die Hoffnung des Putin-Regimes sich in Luft auflöst, die Ukraine schnell und mit wenigen Verlusten niederzuwerfen, bombardieren russische Truppen mit allen erdenklichen, großkalibrigen Waffen seit Wochen die Städte und Dörfer des Landes.

Die Familien von mir, meiner Partnerin sowie vieler Anderer, die ich kenne und die sich innerhalb der Ukraine aufhielten, befinden sich entweder auf der Flucht oder widerstehen der russischen Invasion auf zivile, humanitäre oder militärische Art. Sie alle wurden von Putin und seinem Regime aus dem Frieden gerissen. Sie ertragen den Krieg mit einer Mischung aus Fassung, Entschlossenheit und Sorge. Sie alle sehnen sich nach einem Ende des Krieges.

Die ukrainische Bevölkerung, ob zivil oder militärisch, hat in den vergangenen Wochen entschieden gezeigt, dass sie sich nicht vom Putin-Regime bevormunden lassen will. Dass sie heute, mehr als jemals zuvor, Teil der demokratischen Gemeinschaft in Europa sein will.

Selbst wenn es angeblich nur eine Frage der Zeit sein soll, wann der militärische Widerstand gegen die Invasion erlahmt, liegt die Zukunft der Ukraine an der Seite des demokratischen Europas. Egal wie viele Granaten, Bomben und Raketen auf die Städte und Dörfer des Landes niederregnen mögen!

Ich kann alle, die diese Zeilen lesen mögen, nur dazu aufrufen, alles in ihrer Macht stehende zu tun: Spendet, haltet Mahnwachen, demonstriert auf den Straßen, helft den Geflüchteten, helft humanitär vor Ort!

Es lebe die demokratische und freie Ukraine! Slava Ukraini!

Soldarität mit der Ukraine