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Antonie Toni Pfülf

Foto: Toni Pfülf

Antonie Toni Pfülf (1877–1933)

Sieben Mal ist Antonie Pfülf – die alle Toni nennen – in den Reichstag gewählt worden. In München wird sie von vielen Menschen heute noch verehrt, seit sie während des Ersten Weltkriegs in der Stadt die Armen- und Waisenpflege organisiert hat. In der Revolution 1918/19 ist sie die einzige Frau im Arbeiter- und Soldatenrat Münchens. Eine leidenschaftliche Kämpferin für Demokratie, Frauenrechte – für Mut und Haltung.

Vater Emil ist Offizier, die Mutter steht dem bürgerlichen Haushalt vor. So „gehört es sich“ im Kaiserreich.
Die 1877 geborene Antonie besucht die Höhere Mädchenschule und beschließt, zum Entsetzen der Eltern, einen Beruf zu ergreifen. Antonie wird Lehrerin.


1902, als sie in den Schuldienst eintritt, kommt es zum endgültigen Bruch mit den Eltern. Denn Toni Pfülf bekennt sich zur Sozialdemokratie.

Gleiches Recht auf Bildung für Alle!


Die SPD ist die einzige Partei, die das Wahlrecht für Frauen fordert. Ihrem Vorsitzenden August Bebel ist mit seinem Werk „Die Frau und der Sozialismus“ ein Bestseller gelungen.

Toni Pfülf wird zur entschiedenen Frauenrechtlerin – und in den 1920er Jahren zur Vorkämpferin einer Schulpolitik, die allen Kindern gleiche Chancen eröffnet: reichen wie armen, Mädchen wie Jungen.
Die Wirklichkeit im Kaiserreich ist davon weit entfernt. Auf politischen Versammlungen haben Frauen nichts zu suchen. Um das Verbot zu umgehen – und ad absurdum zu führen –, hält Toni Pfülf 1905 in einem Münchner Lokal auf einer SPD-Veranstaltung eine Rede in Männerkleidung.

Gegen den Zölibat der Lehrerinnen


1920 entsendet die SPD sie in die Weimarer Nationalversammlung. Dort setzt sie sich dafür ein, dass die Verfassung der neuen, der ersten deutschen Republik Männer und Frauen für gleichberechtigt erklärt. Die überwältigende – männliche – Mehrheit weicht die Formulierung noch auf. Erst 1949 wird sich durchsetzen, wofür Toni Pfülf schon 1920 leidenschaftlich gekämpft hatte.

Immerhin: Unter sozialdemokratischer Führung erhalten Frauen volles Wahlrecht. Und Toni Pfülf vor allem ist es zu danken, dass 1920 der „Lehrerinnen-Zölibat“ fällt. Bis dahin hatten Lehrerinnen den Schuldienst zu quittieren, wenn sie heiraten.

Die Nazis schlagen ihr Lebenswerk zu Trümmern


Mit Beginn der 1930er Jahre muss Toni Pfülf erleben, wie vieles, wofür sie mit all ihrer Kraft gekämpft hat, verhöhnt, verspottet und schließlich aufgegeben wird. Der Aufstieg der NSDAP ist ihr ein Graus.
Am 23. März 1933 zählt Toni Pfülf zu den 94 SPD-Abgeordneten, die Hitler im Reichstag die Stirn bieten und „Nein“ sagen zu dessen „Ermächtigung“, das Parlament zu umgehen und diktatorisch zu regieren. Am Tag danach verschärft sich der Terror.

Emigration kommt für sie nicht in Frage


Toni Pfülf hilft einem befreundeten Ehepaar noch zur Flucht in die Schweiz. Sie selbst will nicht emigrieren. Lieber wählt sie den Tod. Am 8. Juni 1933 schluckt Toni Pfülf eine Überdosis Schlaftabletten. Die Nazis lassen keine Trauerfeier zu. Sie wollen jede Erinnerung an diese tapfere Frau auslöschen.