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Gerhard Schröder

Foto: Gerhard Schröder
photothek

Als dritter Sozialdemokrat zieht Gerhard Schröder 1998 ins Kanzleramt ein und formt die erste rot-grüne Regierung auf Bundesebene. Dabei setzt Schröder Zeichen, die weit über seiner Amtszeit hinausreichen.

So ist 2003 sein klares Nein zum Irak-Krieg der amerikanischen Busch-Administration Ausdruck neuer Souveränität des geeinten Deutschlands in zentralen Fragen der internationalen Politik. Im Jahr zuvor setzt er nach harten Verhandlungen mit den Energiekonzernen den Atomausstieg um und leitet damit auch den entschlossenen Ausbau von Erneuerbaren Energien ein. Als humanitäre Intervention im Kosovo geht die Bundeswehr 1999 in ihren ersten Auslandseinsatz.

Umstritten bleibt bis heute Schröders Reformpolitik, die unter dem Schlagwort Agenda 2010 in die Geschichtsbücher einging. Insbesondere der Teilbereich um die Neuordnung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe – Hartz IV – hat neben Befürwortern auch zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. Vergleichsweise weniger Beachtung finden hingegen andere Reformen, die ebenfalls Teil der Agenda-Politik sind, und die als bedeutender gesellschaftspolitischer Fortschritt heute parteiübergreifend anerkann sind: der Ausbau der Kinderbetreuung etwa oder auch das Vier-Milliarden-Programm für Ganztagsschulen – anfangs hart von der Union bekämpft, weil konservative Ministerpräsidenten es als Angriff auf die Bildungshoheit der Länder interpretieren.

Nach der für die SPD verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2005 sieht Schröder nicht mehr ausreichend Unterstützung für seine Politik. Eine Vertrauensfrage im Deutschen Bundestag führt schließlich zu Neuwahlen, die er im Herbst des Jahres nur knapp gegen Angela Merkels CDU verliert.

Aus einfachen Verhältnissen kommend, hat sich Gerhard Schröder hochgearbeitet.  Geboren wird er in Lippe-Westfalen als Sohn eines Hilfsarbeiters, der im Krieg fällt. Politisch geprägt wird er auch durch seine Mutter, die mit einfachen Arbeiten die Familie durchbringt, und die er eine „geborene Sozialdemokratin“ nennt.

Nach Hauptschulabschluss und Lehre zum Einzelhandelskaufmann holt er 1964 an der Abendschule die Mittlere Reife nach. Ein Jahr zuvor tritt er in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ein, macht 1966 am Westfalen-Kolleg das Abitur und studiert anschließend in Göttingen Rechtswissenschaften. 1976 wird Schröder als Rechtsanwalt in Hannover zugelassen.

Seine politische Karriere startet er 1978 als Bundesvorsitzender der Jusos. Von 1980 bis 1986 ist er Bundestagsabgeordneter und geht anschließend zurück nach Hannover als Chef der niedersächsischen Landtagsfraktion. 1989 wird er Mitglied des SPD-Präsidiums, ein Jahr später Ministerpräsident von Niedersachsen mit einer Koalition von SPD und Grünen. Den Wettbewerb mit Oskar Lafontaine um die Kanzlerkandidatur der SPD 1998 entscheidet Schröder am 1. März desselben Jahres mit seinem klaren Wahlsieg bei der niedersächsischen Landtagswahl für sich – und führt die SPD am 27. September nach 16 Jahren Kohl wieder in Regierungsverantwortung.