arrow-leftarrow-rightclosecontrastdownloadeasy-languagefacebookinstagramlogo-spe-kleinmailmenueMinusPlusprintsearchsoundtarget-blankTwitteryoutube
Inhaltsbereich

Gustav Heinemann

Foto: Gustav Heinemann
Gustav Heinemann: 1969 / Deutsches Bundesarchiv

Gustav Heinemann nach seiner Ernennung zum Bundespräsident 1969:

Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem der Mann sich zu bewähren habe, wie meine Generation in der kaiserlichen Zeit auf den Schulbänken lernte, sondern der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir alle uns zu bewähren haben.

Gustav Heinemann wurde am 23. Juli 1899 in Schwelm geboren. Nach dem Studium ließ er sich als Rechtsanwalt in Essen nieder und wurde 1928 zunächst Justitiar, 1936 Bergwerksdirektor der Rheinischen Stahlwerke in Essen. Ab 1933 betätigte er sich aktiv in der Evangelischen Kirche: als Presbyter in Essen und in der Bekennenden Kirche, die sich gegen den NS-Allmachtsanspruch stellte. Auch nach 1945 blieb Heinemann als Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) (1945-1967) und als Präses ihrer Synode (1949-1955) der Arbeit der Evangelischen Kirche verbunden.

Als einer der Mitbegründer der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) im Rheinland, seit 1946 Oberbürgermeister von Essen und seit 1947 gleichzeitig Justizminister in Nordrhein-Westfalen holte ihn Konrad Adenauer als Innenminister 1949 in sein Kabinett. Aus Protest gegen die Wiederbewaffnung trat Heinemann schon 1950 zurück. Er verließ 1952 die CDU und gründete die Gesamtdeutsche Volkspartei, die sich für ein blockfreies wiedervereinigtes Deutschland einsetzte. Nach Misserfolgen bei den Wahlen löste sich die Partei 1957 auf. Heinemann wie eine Reihe seiner Mitstreiter (unter anderem Johannes Rau, Erhard Eppler) gingen zur SPD.

Gustav Heinemann baute Brücken zwischen SPD und protestantischer Kirche, sperrte sich gegen die atomare Bewaffnung und engagierte sich besonders in der Rechtspolitik. Als Justizminister in der Großen Koalition setzte er wichtige Justizreformen durch. Seine Wahl zum ersten sozialdemokratischen Bundespräsidenten mit den Stimmen der Freien Demokratischen Partei (FDP) galt als Auftakt zur sozial-liberalen Ära. In den vier Jahren seiner Amtszeit (Mai 1969-1973) förderte er besonders die Friedens- und Freiheitserziehung, mühte sich um eine Versöhnung mit den von NS-Deutschland überfallenen Völkern und forderte die Mitverantwortung des mündigen Bürgers ein. Zusammen mit seiner Frau Hilda galt sein besonderes Anliegen den Schwachen und Zurückgebliebenen in der Gesellschaft. Der als Politiker eher spröde wirkende Heinemann verband auf unverwechselbare Art Moral und Pragmatismus, Prinzipientreue und Realitätssinn und strahlte hohe Glaubwürdigkeit aus. Er starb am 7. Juli 1976 in Essen.

Literaturempfehlung

  • Friedrich-Ebert-Stiftung (Herausgeber): Erinnerungen an Gustav Walter Heinemann. Vortrag am 25.2.1999 im Schloss Rastatt. Friedrich-Ebert-Stiftung, Gesprächskreis Geschichte 24, Bonn 1999.
  • Gustav Walter Heinemann: Reden und Schriften 1969-1974. Reden des Bundespräsidenten. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1975.