arrow-leftarrow-rightclosecontrastdownloadeasy-languagefacebookinstagrammailmenueMinusPlusprintsearchsoundtarget-blanktwitteryoutube
Inhaltsbereich

Luise Zietz

Foto: Luise Zietz

Luise Zietz (1865–1922)

Wohl kaum einer Politikerin hat die Frauenbewegung in Deutschland so viel zu verdanken wie Luise Zietz (geb. Körner). Sie war eine begabte Rednerin und eine mutige Vorkämpferin für die Rechte der Frauen. In die Wiege gelegt war Luise Zietz das alles nicht.

Luise Körner wird 1865 als ältestes von vier Kindern eines Wollwebers in Bargteheide bei Hamburg geboren. Schon als Kind muss sie in der Werkstatt ihres Vaters mitarbeiten und erlebt bittere Armut.
Sie besucht die Volksschule, arbeitet später in einer Tabakfabrik und wird dann Kindergärtnerin. 1890 heiratet sie den Hamburger Hafenarbeiter Carl Zietz, lernt über ihn die Sozialdemokratie kennen und wird 1892 Mitglied.

Der „weibliche Bebel“

Beim großen Streik der Hamburger Hafenarbeiter 1896/97 tritt Luise Zietz erstmals politisch in Erscheinung. Aufgrund ihrer Begabung als Rednerin wird sie in Parteikreisen schnell der „weibliche Bebel“ genannt. Ihre Ehe zerbricht allerdings wegen ihres politischen Engagements.
Als 1908 Frauen endlich politischen Organisationen beitreten dürfen, wird sie „Reichsfrauensekretärin“ der Partei und als erste Frau Mitglied des SPD-Parteivorstandes, zuständig für Frauenarbeit. August Bebel ist ihr Förderer.

„Her mit dem Frauenwahlrecht“


Luise Zietz schreibt und spricht darüber, wie die Industrialisierung das Leben der Frauen verändert. Sie sieht die Hungerlöhne der Arbeiterinnen und ihre Doppelbelastung durch Erwerbs- und Hausarbeit. Deshalb fordert sie den 8-Stunden-Tag und Wöchnerinnenschutz – und vor allem das Wahlrecht für Frauen.
Doch wählen gehen und gewählt werden ist im 19. Jahrhundert Männersache. Das sieht zunächst auch die Mehrheit der Sozialdemokraten so. Auf dem Arbeiterkongress in Gotha stellt August Bebel 1875 den Antrag, unter die dringlichsten Forderungen das Wahlrecht für Männer und Frauen aufzunehmen. Er unterliegt mit 55 zu 62 Stimmen.

1891 übernimmt die SPD endlich die Forderung nach einem allgemeinen, gleichen, direkten Wahl- und Stimmrecht in ihr Programm. Luise Zietz wirbt fortan dafür mit der Parole „Her mit dem Frauenwahlrecht“.

Vollständige Gleichberechtigung


1919 wird Luise Zietz als eine von 37 Frauen in die Nationalversammlung gewählt – nachdem das Frauenwahlrecht nach der Novemberrevolution 1918 per Erlass verkündet worden war. Bei der Debatte um die Weimarer Verfassung erhebt sie immer wieder ihre Stimme für die Frauen: Sie fordert erfolgreich das Recht von Beamtinnen, auch nach ihrer Heirat weiter berufstätig sein zu dürfen. Die „Gleichberechtigung der Frau schlechthin“ hingegen erreicht sie nicht.

Luise Zietz stirbt am 27. Januar 1922.

Vorkämpferin für Frauenrechte

Emma Ihrer würdigt Luise Zietz im Vorwärts mit den Worten „Der Besten eine ist von uns gegangen!“. Der sozialdemokratische Reichstagspräsident Paul Löbe würdigt sie als eine „der ersten deutschen Frauen, die für die politische Gleichberechtigung ihres Geschlechts gestritten haben und glühende Vorkämpferin für ihre Sache“ war.