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Marie Juchacz

Foto: Marie Juchacz

Marie Juchacz (1879-1956)

Marie Juchacz wird 1879 in Landsberg an der Warthe geboren und arbeitet nach dem Besuch der Volksschule als Hausangestellte, Fabrikarbeiterin, Krankenwärterin und Näherin. 1908 tritt sie in die SPD ein und ist von 1913 bis 1917 als Frauensekretärin im SPD-Bezirk Obere Rheinprovinz in Köln tätig.

Von 1917 bis 1933 ist sie Mitglied des Parteivorstandes und Leiterin des Frauenbüros der Partei. Neben ihrer Parteiarbeit übernimmt sie die Redaktion der "Gleichheit - Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen", die sie bis 1921 leitet.

Wahlrecht für Frauen

Kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges tuen sich Frauen unterschiedlicher politischer Richtungen zusammen. Am 25. Oktober 1918 wenden sie sich in einem Schreiben an den Reichskanzler und fordern ein Gespräch über die Verwirklichung von gesetzlicher Gleichberechtigung. Die Liste der Unterschriften wird angeführt von Marie Juchacz für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Das Ansinnen hat Erfolg: die Frauen in Deutschland erhalten das aktive und passive Wahlrecht.

Erste Rede einer Frau im deutschen Parlament

Am 19. Januar 1919 können Frauen erstmals ihr Wahlrecht zur Verfassung gebenden deutschen Nationalversammlung ausüben. Einen Monat später, am 19. Februar 1919 spricht zum ersten Mal eine Frau vor einem deutschen Parlament. Es ist Marie Juchacz, die vor die Nationalversammlung in Weimar tritt:

"Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf (...) dass wir Frauen dieser Regierung nicht etwa (...) Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit; sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist."

Gründerin der Arbeitwohlfahrt

Der Nationalversammlung gehört die Sozialdemokratin bis 1920 an. Neben ihrer aktiven politischen Arbeit, vor allem in der Berliner Sozialdemokratischen Frauenbewegung, beteiligt sie sich maßgeblich an der Gründung der Arbeiterwohlfahrt (AWO), deren Vorsitzende sie bis 1933 ist.

Bis 1933 gehört Marie Juchacz auch dem Reichstag an. 1933 flieht sie vor den Nationalsozialisten ins Saargebiet, 1935 nach Frankreich und 1941 in die USA. 1949 kehrt sie nach Deutschland zurück und wird Ehrenvorsitzende der AWO.

1956 verstirbt sie in Düsseldorf.


Marie Juchacz spricht 1928 über die Bedeutung des Frauenwahlrechts

Marie Juchacz 1947 anlässlich der Wiedergründung der Arbeiterwohlfahrt:

Es ist das Große in dem bitteren Erleben unserer Zeit dass eine Idee nicht stirbt, dass keine Gewalt, und sei sie noch so brutal, die Idee töten kann. Ideen und Gedanken sind wandlungsfähig und sind Wandlungen unterworfen, sie werden von der Zeit geformt, aber sie sterben nicht. Sie werden am Leben erhalten durch Impulse, die in uns lebendig sind und immer ans Licht drängen.

www.awo.org