arrow-leftarrow-rightclosecontrastdownloadeasy-languagefacebookinstagrammailmenueMinusPlusprintsearchsoundtarget-blanktwitteryoutube
Inhaltsbereich
188/17
12.09.2017

Martin Schulz zum Tod von Heiner Geißler

Zum Tod von Heiner Geißler erklärt der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz:

Mit Heiner Geißler verliert Deutschland eine einzigartige politische Persönlichkeit, einen streitbaren Geist und klugen Analytiker der Bonner und der Berliner Republik. Er diente unserem Land, der Demokratie und seiner Partei, der CDU, in vielen wichtigen Funktionen und Ämtern. Mit seinem langjährigen öffentlichen Wirken hat er die bundesrepublikanische Demokratie mitgeprägt. Heiner Geißler stand immer in der christlich-sozialen Tradition seiner Partei und sah deswegen die CDU nie nur als konservative, sondern vor allem als christlich-demokratische Partei.

In Erinnerung bleibt seine Zeit als tatkräftiger, streitbarer CDU-Generalsekretär von 1977 bis 1989. Als Minister für Jugend, Familie und Gesundheit von 1982 bis 1985 führte er den Erziehungsurlaub und das Erziehungsgeld ein. Als besonders fortschrittliche Neuerung galt die Reform des Kriegsdienstverweigerungsrechtes mit der Abschaffung der mündlichen Gewissensprüfung.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag 2002 beschäftigte sich Heiner Geißler mit grundlegenden Fragen der Demokratie und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Ethische Fundamente - so seine Forderung - sollten stets zur Grundlage politischer Entscheidungen gemacht werden. Für ihn war die Soziale Marktwirtschaft die beste Erfindung, die es im Nachkriegsdeutschland gegeben hat. Er setzte sich in Wort und Schrift für eine globale Renaissance einer öko-sozialen Marktwirtschaft, verbunden mit einem Marshall-Plan für eine Neuordnung der Weltwirtschafts- und Finanzpolitik ein. Er warnte vor der Flucht ins Nationale und einer isolationistischen Abschottungskultur und trat als überzeugter Europäer für die Vereinigten Staaten von Europa ein.

Heiner Geißler war freundlich und liebenswürdig im Wesen und unbequem und häufig unkonventionell in seiner politischen Haltung. Wir werden ihm, der viele Jahrzehnte die politische Bühne geprägt hat, ein ehrendes Andenken bewahren.