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01.04.2016

Sigmar Gabriel zum Tod von Hans-Dietrich Genscher

Zum Tod des ehemaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher erklärt der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel:

Die deutsche Sozialdemokratie verneigt sich mit großem Respekt vor dem Lebenswerk
Hans-Dietrich Genschers. Wir werden ihn als herausragenden Staatsmann in Erinnerung behalten. Mit ihm verliert unser Land einen der ganz großen Liberalen, einen Anwalt der Verständigung und der steten Annäherung und eine einzigartige Persönlichkeit.

Hans-Dietrich Genscher hat das Ansehen unseres Landes in der Welt gemehrt und sich mit seinem langjährigen Wirken enorme und bleibende Verdienste erworben. Die Einbindung Deutschlands in ein freiheitliches und friedliches Europa ist und bleibt eine große historische Errungenschaft, an deren Zustandekommen er entscheidenden Anteil hatte.

Hans-Dietrich Genscher hat wie nur wenig andere Politiker die Geschichte der Bundesrepublik seit Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mitgestaltet. Seine große Beliebtheit bei den Menschen weit über Deutschlands Grenzen hinaus erwarb er sich vor allem als hochgeachteter Außenminister mit seinem auf Ausgleich zwischen Ost und West ausgerichteten außen- und deutschlandpolitischen Wirken.

Er schloss sich 1952 der FDP an und wirkte in den kommenden Jahren in seinen politischen Ämtern und Funktionen an der Gestaltung der Demokratie in der jungen Bundesrepublik mit. Er gehörte dem Deutschen Bundestag 33 Jahre an, war von 1969 bis 1974 Bundesminister des Inneren und von 1974 bis 1992 Außenminister und Vizekanzler. Er bekleidete dieses Amt zunächst im Kabinett von Helmut Schmidt und in der Folge dann in vier Kabinetten Helmut Kohls. Seine Partei hat er als Vorsitzender und später als Ehrenvorsitzender über Jahrzehnte geprägt.

Mit seinem Wirken verkörperte er auf besondere Weise die Kontinuität und Zuverlässigkeit deutscher Außenpolitik. Auch in unterschiedlichen politischen Konstellationen gab Hans-Dietrich Genscher seine Grundpositionen nicht preis: So hielt er nach dem politischen Wechsel von 1982 Kurs in der von Willy Brandt begonnenen und von Helmut Schmidt fortgesetzten Deutschland- und Ostpolitik.

Die Entspannungspolitik, ein neues Verhältnis zu den Ländern der Dritten Welt sowie die konsequente Einbettung Deutschlands in das westliche Bündnis waren die Eckpfeiler seiner mit einzigartigem Kommunikationstalent betriebenen auswärtigen Politik. So gelang es ihm immer wieder neue Gestaltungs¬möglichkeiten in der internationalen Politik zu erschließen. Sein Credo in allen schwierigen Verhandlungen war Interessenausgleich, der auf gegenseitigem Vertrauen gründete. Eine Weltordnung der Partnerschaft war sein ehrgeiziges Ziel. In unverwechselbarer Weise verband Hans-Dietrich Genscher dabei politisches Verhandlungsgeschick mit Gespür für weltpolitische Veränderungen und sensible Einfühlung in die Mentalität seines Gegenübers.

In den Jahren 1989/90 erfüllte sich für den im heutigen Sachsen-Anhalt Geborenen ein Traum, auf den er in unterschiedlichen politischen Konstellationen jahrelang hingearbeitet hatte. Unvergessen bleiben seine im Jubel untergehenden Worte vom Balkon der Prager Botschaft 1989. Die Verständigung mit dem Osten betrachtete er in diesem Prozess der Vereinigung der beiden Teile Deutschlands als ebenso grundlegend wie die Zustimmung der Verbündeten.

Die deutsche Sozialdemokratie wird Hans-Dietrich Genscher als großen liberalen Staatsmann in Erinnerung behalten. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Angehörigen und Freunden.