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Jeremias Thiel

Foto: Jeremias Thiel

Ich bin einer von vielen. Ich bin einer von euch. Ich bin Sozialdemokrat.

Warum eigentlich SPD? Warum Sozialdemokratie? Die Antworten auf diese Frage sind bunt. Sie sind laut und trotzig, sie sind stolz und liebevoll.

Wir sind rund 400.000 Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Und jede*r von uns bringt seine eigene, besondere Geschichte mit. Einige davon erzählen wir in unserem Projekt #1von400Tausend.

Mein Name ist Jeremias Thiel...

... und mit 11 Jahren ging ich zum Jugendamt. Ich bat, mich aus meiner Familie rauszuholen. Ich wollte weg von meinen Eltern. Weg aus der Armut und Verwahrlosung.

Meine Familie hatte immer viele Probleme. Mein Vater war depressiv. Meine Mutter depressiv und spielsüchtig. Beide lebten von Hartz IV, Geldsorgen waren alltäglich. Schon als kleines Kind fühlte ich mich verantwortlich für meine Eltern. Ich machte mir große Sorgen. Und ich schämte mich. Jeden Tag. Weil alle wussten, wie es um meine Familie stand. Weil wir kein Geld für neue Schuhe hatten. Weil ich nie mit meinen Freunden Eis essen oder auf einen Geburtstag gehen konnte – denn auch dafür fehlte das Geld.

Meiner Mutter rutschte häufiger mal die Hand aus Überforderung aus, doch eines Abends eskalierte die Situation. Sie sperrte meinen Bruder und mich stundenlang ein. Verzweifelt riefen wir unseren Vater um Hilfe aus dem Fenster des Zimmers. Er lebte ja eine Wohnung unter uns. Irgendwann stand dann die Polizei vor der Tür als mein Vater schon oben eingetroffen war. Und holte uns raus.

Ich realisierte: Meine Eltern sind überfordert und wir eine Last. Am nächsten Tag ging ich zum Jugendamt. Und traf eine Entscheidung gegen meine Eltern. Mit klopfendem Herzen bat ich um einen Platz im Kinderheim. Und kam ins SOS-Kinderdorf.

Ein Jahr lang hatte ich Zeit, um zu entscheiden, ob ich dort bleiben oder doch zurück zu meinen Eltern will. Ich haderte mit mir. Dieses Gefühl, nicht zu wissen, was die richtige Entscheidung ist, begleitete mich stetig. Es fühlte sich schrecklich an, wie ein schwerer Stein im Magen.

Es ging mir gut im Kinderdorf, dort blühte ich auf: Ich hatte einen geregelten Tagesablauf, meine Stärken wurden gefördert. Ich fand sowas wie eine zweite Familie. Aber ich wusste auch: Die Existenz meiner Eltern hing von meiner Entscheidung ab. Solange ich im Heim war, hatten sie weniger Einnahmen – Kinder- und Wohngeld für mich fielen ja weg. Ihre Wohnung stand auf dem Spiel. Und das ließen sie mich wissen. Bei jedem Telefonat. Mein Kummer war groß, ich weinte ständig.

Etwa ein Jahr später teilte ich meinen Eltern auf dem Sommerfest des Kinderdorfes mit: Ich komme nicht zurück! Mir brach es das Herz, es fiel mir nicht leicht, mich für ein Leben ohne meine Eltern zu entscheiden. Eltern, die man ja trotzdem lieb hat. Eltern, die aus Überforderung nicht anders handeln konnten. Eltern, die selbst nur Entwürdigung erfahren aufgrund ihres sozialen Standes. Eine Reaktion von ihnen blieb aus. Sie waren wohl perplex – und doch hat sich dieser Moment für immer tief in mir eingebrannt.

Heute aber weiß ich, dass es der richtige Weg war. Ein Studium war schon immer mein Traum. Ein Traum, den ich an der Seite meiner Eltern niemals hätte verwirklichen können. Mittlerweile studiere ich Politikwissenschaften in den USA - mit einem Stipendium. Ich bin dankbar für diese Chance, die nur möglich geworden ist, weil ich damals – mit 11 Jahren – diesen Gang zum Jugendamt gemacht habe.

2,8 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland geht es so, wie es mir einst ging. Das ist der Grund, warum ich mit 14 Jahren in die SPD eingetreten bin. Um gemeinsam mit ihr gegen Kinderarmut zu kämpfen. Um Kinderarmut ein Gesicht zu geben, und zwar ein politisches, ein veränderndes. In aller Kürze: Eine Stimme im politischen Geschehen innerhalb der SPD.

Man kann nicht von Kindern erwarten, sich selber aus so einer Situation rauszuholen. Dafür brauchen wir eine Politik, die nicht über Kinder spricht, sondern mit ihnen. Die ihre Bedürfnisse erkennt, ihnen mit Respekt begegnet. In 10 Jahren möchte ich deshalb als Abgeordneter im Deutschen Bundestag arbeiten – für die SPD. Denn sie vergisst die breite Masse nicht. Und dazu zählen auch unsere Kinder. Die Kindergrundsicherung ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: Sie verhilft Kindern zu einer Chancengleichheit.

Foto: Olaf Scholz

Lieber Jeremias,

danke, dass du deine bewegende Geschichte mit uns teilst. Ich habe größten Respekt davor, dass du in so jungem Alter diese schwerwiegende Entscheidung getroffen hast und mutig deinen Weg gegangen bist.

Ich gebe dir mein Versprechen, lieber Jeremias: als nächster Bundeskanzler werde ich die Rechte unserer Kinder und Jugendlichen stärken und im Grundgesetz verankern. Denn jedes Kind soll gut und geborgen aufwachsen. Denn das Kindeswohl hat oberste Priorität für mich. Mit der Kindergrundsicherung werde ich dafür sorgen, dass alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft die gleichen Chancen haben, das Bestmögliche aus ihrem Leben zu machen. Und ich werde neue Schutzkonzepte auf den Weg bringen, um ihr Leben sicherer zu machen – auch im digitalen Raum.

Danke, dass du #1von400Tausend bist.

Ihr seid Genossin oder Genosse und habt eine besondere Geschichte? Oder ihr kennt jemanden, der #1von400Tausend werden sollte? Dann meldet euch bei uns. Schreibt uns einfach eine Mail an 1von400Tausend(at)spd.de.

Wir freuen uns auf euch und eure Geschichten!