Die SPD-Parteivorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil erinnern an Hans-Jochen Vogel:
„Am 3. Februar 1926 wurde Hans-Jochen Vogel in Göttingen geboren. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Er gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der Sozialdemokratie. In zentralen Funktionen – als Parteivorsitzender, Vorsitzender der Bundestagsfraktion, Bundesbauminister, Bundesjustizminister, Regierender Bürgermeister von Berlin und Oberbürgermeister von München – hat er über Jahrzehnte Verantwortung für unser Gemeinwesen getragen.
Hans-Jochen Vogel stand für eine Generation von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die nach dem verheerenden zweiten Weltkrieg den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands mit Entschlossenheit vorangetrieben haben. Sein politisches Handeln war getragen von der Überzeugung, dass Politik Verantwortung und Integrität braucht und demokratische Institutionen Schutz.
Als Münchner Oberbürgermeister war für ihn der terroristische Mord an israelischen Sportlern während der Olympischen Spiele die „dunkelste Stunde“ seines politischen Lebens. In den 1970er-Jahren stand Hans-Jochen Vogel als Justizminister im Zentrum der Auseinandersetzung mit dem Terrorismus der RAF. Dabei verteidigte er den Rechtsstaat konsequent gegen Gewalt und Extremismus. Er brachte weitere wichtige Reformen auf den Weg: die Modernisierung des Strafrechts, die Neuregelung des Paragraphen 218 sowie ein neues Ehe-, Scheidungs- und Familienrecht. Unermüdlich war Hans-Jochen Vogel auch, wenn es um Mietpreise, Wohnungsbau und Bodenpolitik ging. Stark steigende Mieten betrachtete er als Gefahr für unsere Demokratie. Darum war sein Ziel die Begrenzung von Bodenspekulation.
Auch nach dem Ende seiner aktiven politischen Laufbahn blieb Hans-Jochen Vogel eine klare moralische und politische Stimme. Er mischte sich ein, engagierte sich gegen Rechtsextremismus und blieb der SPD als kritischer Ratgeber und überzeugter Demokrat eng verbunden.
Hans-Jochen Vogel hat unsere Demokratie entscheidend mitgeprägt. Wir sind stolz darauf, dass er dies als Mitglied und Vorsitzender unserer Partei getan hat. Wir gedenken seiner mit großer Dankbarkeit und tiefem Respekt. Glückauf!“