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Zielgruppen
Zielgruppe des Jugendwahlkampfes
Die SPD-Wähler*innenschaft ist überaltert, gerade einmal 1,2% der unter 35-jährigen gehört zu unseren Stammwähler*innen. Allerdings besteht ein großes Potential bei den 18-35-Jährigen. Vier von zehn der unter 35-Jährigen sind potenzielle SPD-Wähler*innen, bei den über 55-Jährigen sind es nur zwei von zehn. Die Erfolgschancen einer Jugendkampagne sind damit doppelt so hoch einzuschätzen, wie eine Ansprache älterer Menschen. Die Forschung zeigt außerdem, dass es insbesondere unter Wählerinnen ein großes Mobilisierungspotential gibt, daher liegt ein besonderer Fokus der Jugendkampagne auf der Ansprache junger Frauen*.
Um dieses Potential bestmöglich zu nutzen und eine zielgruppengerechte Ansprache zu entwickeln, haben wir die weitgefasste Zielgruppe „Jugend“ analysiert und Forschung beauftragt. Obgleich „die Jugend“ keine homogene Gruppe bildet, lassen sich aus den vorliegenden Daten bestimmte Trends ableiten:
Die Auswertung verschiedener Jugend- und Europa-Studien zeigt eine positive Grundeinstellung gegenüber Europa. Viele junge Deutsche profitieren von der EU, vor allem beim Reisen und der Mobilität. Bei einem Referendum würden 80 Prozent der jungen Deutschen für einen Verbleib in der EU stimmen. Jungen Menschen ist die EU auch persönlich wichtig (63 Prozent der 18- bis 34-Jährigen). 69 Prozent der 18- bis 34-Jährigen sagen, dass sie sich grundsätzlich als Europäer*innen sehen, trotzdem besteht nach wie vor eine stärkere Identifikation mit der eigenen Region/Stadt, der Menschheit als Ganzes oder auch dem eigenen Herkunftsland.
Eine Mehrheit der jungen Leute (62 Prozent) geben an, dass die Entwicklungen in der EU derzeit in die falsche Richtung laufen. 28 Prozent wünschen sich beispielsweise, dass Bürger*innen mehr Einflussmöglichkeiten auf die EU bekommen. Nur die Hälfte der jungen Leute glaubt, dass ihre Stimme in der EU zählt, im Osten gar nur ein Drittel. Die meisten jungen Leute stört außerdem, dass die EU-Länder nicht gut zusammenarbeiten. Es besteht ein Bewusstsein dafür, dass die Mitgliedsstaaten und die EU einander in gleicher Weise brauchen. Ebenso ist die Bereitschaft zur Solidarität untereinander vorhanden. 63 Prozent sagen, dass Mitgliedsländer einander bei wirtschaftlichen Problemen unterstützen sollten.
Die Top-Themen unter jungen Leuten für den anstehenden Europawahlkampf: Einwanderung, Umweltschutz und die Bekämpfung des Klimawandels, Armut und soziale Ungleichheit.
Das Thema Einwanderung wird ambivalent betrachtet. Ein Drittel der jungen Leute sieht die Einwanderung als Chance, ein Viertel aber als Bedrohung. Vor allem geht es jungen Leuten um die europäische Steuerung von Migration und Integration von Migrant*innen. Grundsätzlich stehen junge Menschen Migrant*innen positiver gegenüber als über 34-Jährige.
Die Themen, die für junge Menschen besonderes Gewicht haben, unterscheiden sich nur in Nuancen von denen der Gesamtbevölkerung. Dennoch sind beispielsweise die Förderung von Menschenrechten und Demokratie, die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit, zukünftige Arbeitsweisen der EU und der Schutz personenbezogener Daten für junge Leute relevanter als für Ältere. Andere Themen sind für junge Wähler*innen im Vergleich weniger relevant. Dazu gehören zum Beispiel Terrorismusbekämpfung, sozialer Schutz der EU-Bürger*innen, Schutz der Außengrenzen, Wirtschaft und Wachstum und Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Das Interesse junger Menschen an den anstehenden Europawahlen ist ähnlich hoch wie das älterer Generationen, viele wollen wählen. Um sich über die EU zu informieren, nutzen junge Leute mehr und unterschiedliche Kanäle, als ältere Generationen. Sie setzen deutlich häufiger auf Online-Medien, aber dabei nicht nur auf soziale Netzwerke.
Wahlkämpfe sind eine tolle Gelegenheit Mitglieder zu aktivieren und Interessierte für die Mitarbeit zu gewinnen. Vom allerersten Klick auf unseren Content bis zum aktiven Engagement ist es nicht weit – wenn man weiß, wie man Interessierten die Verbandsarbeit näherbringt und den Einstieg möglichst leicht gestaltet.
Wichtig ist der sogenannte „Call-To-Action“. Dieser kann auf allen Ebenen und für alle Botschaften und Aktionen eingesetzt werden. In der Werbebranche ist es meist ein einfacher Button, der mit „Kauf mich“ oder ähnlichem noch einmal zu der gewünschten Aktion aufruft. Das lässt sich auch auf die politische Arbeit vor Ort übertragen. Du willst, dass deine Beiträge online geteilt werden? Dann schreib das in den Text. Eine Person interessiert sich für die Arbeit der Jusos oder der Juso-Hochschulgruppen? Dann lade sie gezielt zu einem Treffen ein. Gerade in Wahlkampfzeiten solltest du außerdem immer eine Beitrittserklärung dabeihaben.
Die Ermutigung zur Mitarbeit sollte nicht mit dem Eintritt abbrechen. Es ist wichtig, ein Neumitglied an die Hand zu nehmen und die anfänglichen Hemmungen abzubauen. Statt einer mehr oder weniger formellen Einladung zur nächsten Unterbezirks- oder Kreisverbandssitzung, könntest du dem neuen Mitglied die Möglichkeit geben, vorher schon mal bei Kaffee, Spezi oder Mate Teile des Vorstands kennen zu lernen und Fragen zu stellen. Das macht es für viele einfacher, als in eine große Gruppe fremder Menschen zu platzen. Bewährt sind auch Mentor*innensysteme, bei denen eine Person schon vor der ersten Sitzung Kontakt zu einem Neumitglied aufnimmt, Abkürzungen und Strukturen erklärt, von eigenen Erfahrungen berichtet und die*den Neue*n anderen Aktiven vorstellt. Alternativ könnt ihr überlegen, während oder nach dem Wahlkampf ein Treffen speziell für Neumitglieder und Menschen, die noch nicht so lange aktiv sind, zu veranstalten. Bei dieser Gelegenheit könnt ihr ebenfalls Strukturen erklären und das Signal geben: Du bist nicht allein und du bist hier willkommen.
Gib neuen Mitgliedern und Interessierten unbedingt die Möglichkeit, sich im Wahlkampf einzubringen. Mache dafür rechtzeitig auf Termine aufmerksam. Überleg dir, wie du Personen einbinden kannst, die vielleicht weniger Zeit haben oder nicht so mobil sind. So können sich mehr Menschen ihren Kapazitäten und Fähigkeiten entsprechend engagieren, auch wenn sie seltener zu Sitzungen oder Aktionen kommen.
Junge Menschen wissen im Schnitt ebenso viel über die EU wie Ältere. Ihr müsst ihnen nicht die Welt erklären. Dennoch wünschen sich viele junge Menschen mehr Informationen. Es kann also nicht schaden, auch Informationen über die Funktionsweisen und Institutionen der EU und die Wahlen parat zu haben.
Ihr seid selbst Teil der Jugend und habt somit einen optimalen Zugang zur Zielgruppe – das könnt ihr super bei der Kampagnenplanung nutzen. Welche Themen interessieren euch, eure Freund*innen, Mitschüler*innen oder Kommiliton*innen? Was geht in eurer Timeline viral? Wo treffen sich junge Leute bei euch vor Ort?
Viele Erstwähler*innen sind noch nicht auf eine Partei festgelegt, sondern entscheiden sich erst kurz vor der Wahl. Wir wollen in der letzten Wahlkampfwoche besonders auf unsere jungen Kandidierenden aufmerksam machen und Nichtwähler*innen mobilisieren. Hier soll vor allem deutlich werden, dass es sich bei der Europawahl um eine Schicksalswahl handelt in einer Zeit, in der die Rechten in ganz Europa mittlerweile in Parlamenten vertreten sind und zentrale Werte, die wir uns als Europäer*innen gegeben haben, in Gefahr sind.
Als feministischer Richtungsverband wollen wir gezielt Frauen* ansprechen. Noch immer wirken sich Geschlechterstereotype negativ auf das Engagement von Frauen* aus. Politik wird als Männerdomäne wahrgenommen. Um das zu ändern müssen wir mehr Frauen* ermutigen politisch aktiv zu werden und ihnen Vorbilder bieten.
Frauen* haben genauso viel Sachkompetenz, Durchsetzungsvermögen und rhetorische Fähigkeiten wie Männer*. Ladet Frauen* als Expertinnen* zu euren Veranstaltungen ein. Auch wenn ihr möglicherweise etwas länger suchen müsst, lohnt sich die Mühe. Ihr bekommt nicht nur eine neue Perspektive auf das jeweilige Thema, sondern bietet jungen Frauen* die Möglichkeit, Rolemodels kennenzulernen.
Auch von den aktiven Frauen* bei euch können Neue viel lernen. Oft fällt es (jungen) Frauen* leichter, sich mit anderen Frauen* auszutauschen. Berücksichtigt das bei der Ansprache von Interessierten und Neumitgliedern und gebt den aktiven Frauen* Raum für Vernetzung. Auf diese Weise können Frauen*netzwerke entstehen, die eure Arbeit bereichern und dafür sorgen, dass sich mehr Frauen* bei den Jusos engagieren.
Wir nutzen geschlechtergerechte Sprache, um alle Menschen einzubeziehen und unseren Anspruch einer Gleichberechtigung aller Geschlechter auszudrücken. Neben Sprache können auch Bilder bestehenden Stereotype festigen. Achtet deshalb darauf, ob und wie Frauen* auf eurem Material und euren Online-Kanälen dargestellt werden. Reproduziert nicht einfach bestehende Rollenbilder, sondern bildet vielfältige Geschlechterbilder und Beziehungsformen ab. Vermeidet dabei dualistische Zuschreibungen, die Frauen* passiv und Männer* aktiv darstellen oder Kameraeinstellungen, bei denen der Mann* von unten und damit größer, die Frau* von oben und damit kleiner dargestellt wird.
An den Hochschulen treffen wir sehr viele junge und politisch interessierte Menschen, die wir an zentralen Hochschulorten (Campus, Mensa, Bibliothek, Wohnheime etc.) erreichen können. Studierende ordnen sich mehrheitlich links der Mitte ein. Unter den Studierenden gibt es also ein hohes Potential für die SPD. Studien zeigen, dass die EU in der Zielgruppe der Studierenden ein besonders positives Image hat. Durch ERASMUS+ waren viele schon im europäischen Ausland oder planen ein Erasmussemester fest für ihre Studienzeit ein. Auch begegnen wir an den Hochschulen vielen internationalen Studierenden aus der ganzen Welt.
Darüber hinaus ist aber auch ein Problembewusstsein für aktuelle Entwicklungen vorhanden, für die es europäische Antworten und Lösungen bedarf. So engagieren sich viele Studierende ehrenamtlich in der Geflüchtetenhilfe oder unterstützen Demonstrationen sozialer Bewegungen, beispielsweise von „Pulse of Europe“, der „Seebrücke“ oder „Fridays for Future“. Gerade an den Hochschulen können wir daher zielgerichtet viele junge europabegeisterte Menschen erreichen und von unseren Inhalten überzeugen.