Inge Wettig-Danielmeier, die langjährige Schatzmeisterin der SPD und Ikone der sozialdemokratischen Gleichstellungspolitik, ist im Alter von 89 Jahren verstorben.
Anlässlich ihres Todes erinnert Dietmar Nietan, Schatzmeister und Treuhänder der SPD:
„Sie schrieb Parteigeschichte“.
Inge Wettig-Danielmeier trat 1959 in die SPD ein, um zu gestalten. Über Jahrzehnte hat ihr politisches Wirken nicht nur die SPD verändert. Sie hat auch als Göttinger Parlamentarierin - vom Kreistag über den Landtag bis zum Bundestag – als Bildungsexpertin und leidenschaftliche Gleichstellungspolitikerin vieles bewegt. Ihre eigene Biografie, ihr Bildungshunger und Emanzipation waren ihr dabei steter Antrieb.
Bei der Fülle ihrer Verdienste fällt es schwer, eine Auswahl zu treffen. Exemplarisch sind zu nennen, dass sie als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen für die Quotenregelung in der SPD kämpfte, die seit 1988 gilt. Als Bundestagsabgeordnete wirkte sie am parteiübergreifenden historischen Kompromiss zum § 218 im Jahr 1995 mit und auch das Parteiengesetz trägt ihre Handschrift.
Als erste Frau in der SPD-Spitze verantwortete sie als Schatzmeisterin sechzehn Jahre lang, von 1991 bis 2007, die Finanzen der SPD. Unseren allerhöchsten Respekt verdient u.a. ihr Wirken als Generaltreuhänderin der SPD. Sie hat den Unternehmensbereich neu strukturiert und auf Erfolgskurs gebracht und unser historisches Erbe, das auf “Arbeitergroschen” gründete, gegen die Angriffe politischer Gegner verteidigt. Parteihäuser ließ sie zudem sanieren, die nach der Wiedervereinigung wieder in den Besitz der SPD kamen.
Mit großem Stolz erfüllte sie vor allem der Bau des Willy-Brandt-Hauses in Berlin vor nunmehr 30 Jahren: Dass es nicht nur eine Parteizentrale ist, sondern auch ein Ort der Kultur ging maßgeblich von ihr aus, denn sie war auch die Initiatorin des „Freundeskreis Willy-Brandt-Haus“, der unsere Parteizentrale mit Ausstellungen und Veranstaltungen auch zu einem Ort der Begegnung macht.
Ihrer politischen Leidenschaft und ihrem unermüdlichen Einsatz als Hüterin unserer Finanzen hat die Sozialdemokratie viel zu verdanken.
Wir werden ihr Andenken wahren und ihr Wirken niemals vergessen.
Die SPD-Flagge wird vor dem Willy-Brandt-Haus heute zum Gedenken auf Halbmast gesetzt.